Thorsten Dietz / Claire Désenfant - age consult



Überlegungen zu Fachkräften und Fachkraftquote

Fachkraftdefinition

Über die Definition einer Fachkraft wird stän­dig dis­ku­tiert. Ein Problem liegt schon dar­in, dass vie­le unter “Fachkraft” “Pflegefachkraft” mei­nen und ver­ges­sen, dass es auch Fachkräfte in den Bereichen Soziale Arbeit und Therapie gibt, geschwei­ge denn auch in der Hauswirtschaft…

Man soll­te aber mei­nen, dass es klar sein dürf­te, wer als Pflegefach­kraft gilt oder nicht. Weit gefehlt! Diese Definition vari­iert von Bundesland zu Bundesland. Dieses ist unse­rem föde­ra­lis­ti­schen Staat geschul­det. Dieses för­dert aber nicht gera­de die viel­fach ver­lang­te Flexibilität der Arbeitnehmer und -neh­me­rin­nen.

Dass aber die Pflegefach­kraft­de­fi­ni­ti­on inner­halb eines Bundeslandes nicht ein­deu­tig ist, kann ich nicht nach­voll­zie­hen. So gilt ein Heilerziehungspfleger in Baden-Württemberg nach SGB XI im ambu­lan­ten Dienst als Fachkraft, im sta­tio­nä­ren Bereich aber nicht. Für eine ein­jäh­ri­ge Altenpflegehelferin gilt es übri­gens eben­so. Für die­se Kuriosität gibt es natür­lich eine Erklärung: die Behandlungspflege. An Modulisierung der Tätigkeiten und Anerkennungen wird jedoch nicht gedacht, zumin­dest nicht ganz. Denn… eine Sozialarbeiterin darf auch kei­ne Medikamente ver­ab­rei­chen, sie gilt aber als Fachkraft. Der Heilerziehungspfleger gilt übri­gens in Hamburg als Fachkraft… auch im sta­tio­nä­ren Bereich. Im Behindertenbereich darf er über­all in Deutschland Medikamente ver­ab­rei­chen. Verstehe wer will…

Fachkraftquote

Nun zur Fachkraftquote… Die gro­ße Frage lau­tet: mit oder ohne? … also mit PDL oder ohne PDL? Nach SGB XI ist es klar: mit PDL. Die PDL wird also über das Pflegeentgelt refi­nan­ziert. Im Ordnungsrecht jedoch, also für die Heimaufsichten, ist es nicht so klar. Natürlich je nach Bundesland, die Föderalismusreform lässt grü­ßen!

In Baden-Württemberg z. B. gehö­re, nach Auffassung der Heimaufsicht, die PDL nicht zur Fachkraftquote, “weil sie kei­ne direk­ten Leistungen für die Bewohnerinnen und Bewohner” erbrin­gen wür­de. Dieses sei aus der Orientierungshilfe der Heimaufsichtsbehörde zu ent­neh­men. Dann fra­ge ich mich aber, wie die Fachkraftquote zu berech­nen sei. Alle Pflegefachkräfte haben indi­rek­te Leistungen zu erbrin­gen. Diese machen etwa 50 % ihrer Tätigkeiten aus. Dieser Anteil nimmt immer mehr zu, weil immer mehr zu pla­nen, zu doku­men­tie­ren und zu kon­trol­lie­ren ist. Wenn man die indi­rek­ten Leistungen aller betrof­fe­nen in der FK-Berechnung berück­sich­ti­gen wür­de, käme man auf eine Fachkraftquote von schät­zungs­wei­se 23%… oder umge­kehrt, eine Einrichtung müss­te ca. 78 % Fachkräfte haben, um die 50 % “Fachkraftquote-direk­te-Leistungen” zu erfül­len…

Alles klar, oder?

Und… ist es über­haupt zu ver­tre­ten, dass der Anteil der indi­rek­ten Leistungen schon bei 50 % liegt, genau­er gesagt  lie­gen muss?

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