Thorsten Dietz / Claire Désenfant - age consult



Die Demenzerkrankung in den Medien

Die Aufklärung über die Demenzerkrankung hat Hochkonjunktur und das ist gut so. Die Verbreitung die­ser Krankheit nimmt Jahr für Jahr zu. Sie folgt der Entwicklung unse­rer Demographie, aller­dings über­pro­por­tio­nal: Je Älter ein Mensch wird, des­to höher steigt sein Risiko an Demenz zu erkran­ken. Da unse­re Gesellschaft immer älter wird, wer­den wir immer häu­fi­ger mit der Demenzerkrankung kon­fron­tiert:

2010 leb­ten 16,8 Mio. Menschen über 65 Jahre in Deutschland. 1,2 Mio. die­ser Altersgruppe lit­ten an Demenz (s. Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Die Epidemiologie der Demenz). 2050 wer­den, je nach Berechnungsmethode, 23,5 Mio. Menschen über 65 Jahre in Deutschland leben, dar­un­ter 2,6 Mio. an Demenz erkrank­te Personen. Die Prävalenz wird also von 7 auf 11 % stei­gen.

Defizit-ori­en­tier­te Darstellung

Es ist gut, dass die Medien ver­mehrt über die Demenzerkrankung berich­ten. Die Gesellschaft muss sen­si­bi­li­siert wer­den. Wir alle müs­sen ler­nen, Menschen mit Demenz, die sicht­lich ver­wirrt sind und ihren Weg nicht mehr fin­den, auf der Straße, beim Einkaufen etc., zu erken­nen. Wir alle müs­sen wis­sen, wie Ihnen gehol­fen wer­den kann. Was uns aber stört, ist die Form der meis­ten Berichterstattungen. Nur weni­ge berich­ten sach­lich dar­über, so wie die Zeit vom 12.5.2011. Die Meisten erzäh­len von schwe­ren Schicksalen aus der Sicht der Angehörigen. Diese rüh­ren­den Berichte machen betrof­fen. Die geschil­der­ten Schicksale sind auch schlimm. Dieses steht außer Frage. Die Demenzerkrankung invol­viert, wie kaum eine ande­re Erkrankung, die Angehörigen der Betroffenen. Auch sie lei­den unter der Krankheit, wenn auch auf ande­rem Wege: Sie müs­sen sich näm­lich von der Persönlichkeit, die sie sie gekannt und geliebt haben, ver­ab­schie­den. Die Beziehung muss sich dem Fortschreiten der Erkrankung anpas­sen.

In den meis­ten Medienberichten wird aber ver­kannt, dass Menschen, die an Demenz erkrankt sind, auch Freude am Leben haben kön­nen. Es wird ver­kannt, dass Menschen, die an Demenz erkrankt sind, Fähigkeiten haben, die wir Gesunde nicht haben. Sie füh­len z. B. Befindlichkeiten viel bes­ser als wir. Sie spü­ren regel­recht Stimmungen in der Luft, in Situationen, bei Zusammenkünften. Da stau­nen wir, Gesunde, dar­über. Die gro­ße Frage, die es zu lösen gilt, ist: Wie kann die­se ganz indi­vi­du­el­le Person, die an Demenz erkrankt ist, am bes­ten, am wür­de­volls­ten, am lie­be­volls­ten betreut wer­den, ohne dass ihre Angehörigen unter der Last der Verantwortung, der Sorge und der Trauer über das Verlorene zerbre­chen.

Es gibt gute Betreuungsmöglichkeiten

Es gibt qua­li­ta­tiv sehr gute Angebote, zum Beispiel Wohngemeinschaften in geteil­ter Verantwortung, wie die Wohngruppen vom Freiburger Modell. In sol­chen Wohngruppen wird die an Demenz erkrank­te Person in ihrer Würde und Selbstachtung gestärkt. Die Angehörigen wer­den als Partner und Mitwirkende der Wohngruppe aner­kannt und geschätzt. Die erkrank­te Person wird gut betreut, die Angehörigen kön­nen wie­der zu Kräften kom­men, ohne vom schlech­ten Gewissen geplagt zu wer­den, dass sie ihre Mutter, ihren Vater “abge­scho­ben” hät­ten.

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